Eine starke Kammer

Sehr geehrte Kolleginnen,
Sehr geehrte Kollegen,

am 16. Juni ist es wieder so weit: Sie haben erneut die Wahl. Ihre Stimme entscheidet darüber, wer die nächsten fünf Jahre die Arbeit der Psychotherapeutenkammer NRW gestaltet. Wir bitten wieder um Ihre Stimme und Ihr Vertrauen.

In der Psychotherapeutenkammer NRW stimmen wir Psychotherapeutinnen und Psycho­therapeuten unsere gesundheitspolitischen Positionen ab und regeln unsere beruflichen Belange selbst. In der Kammerversammlung, dem Forum aller nordrhein-westfälischen Psychotherapeuten, gestalten wir unsere beruflichen Standards und regeln unsere Fort- und Weiterbildung. Dadurch schaffen wir eine starke Interessenvertretung in Politik und Öffentlichkeit.

Kooperative Liste – gemeinsam stark

Die Kooperative Liste tritt als breites Bündnis nordrhein-westfälischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten an. Ihre Kandidaten stammen aus der niedergelassenen Praxis, arbeiten im Krankenhaus, in der Rehabilitation, in Beratungsstellen und Hochschulen. Sie sind als Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten tätig und in den unterschiedlichsten Verfahren ausgebildet. Zusammen haben sie in den vergangenen fünf Jahren so erfolgreich arbeiten können, weil sie eins immer bedacht haben: „Gemeinsam machen wir die Psychotherapie stark!“

Mit Kompetenz überzeugen

Ziel der Kooperativen Liste ist eine patientenorientierte und vielfältige psychotherapeutische Versorgung, die wirksame berufliche Vertretung aller Psychotherapeuten und der Ausbau der Selbstverwaltung. Erfolge des Engagements, für die die Kooperative Liste steht, sind:
  • Wir haben den Mangel an psychotherapeutischen Behandlungsplätzen in der Politik und Öffentlichkeit zum Thema gemacht. Wartezeiten von 14 Wochen in der ambulanten Psychotherapie sind inakzeptabel. Wir haben Patienten den Weg über die Kostenerstattung aufgezeigt und die Verkürzung der Wartezeiten zum Anliegen der neuen Bundesregierung gemacht.
  • Wir haben dazu beigetragen, dass die Mindestquote für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in ganz NRW umgesetzt wurde und dass nicht besetzte Sitze für ärztliche Psychotherapeuten von uns besetzt werden können.
  • Wir haben maßgeblichen Anteil daran, dass Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zukünftig in der Krankenhausgesetzgebung und -planung in NRW nicht mehr übergangen werden.
  • Wir haben die Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu einem zentralen Projekt der Landesgesundheitskonferenz NRW gemacht.
  • Wir haben uns dafür eingesetzt, dass alle wissenschaftlich anerkannten Verfahren und Methoden auch sozialrechtlich anerkannt werden und durch eine Weiterbildung der Psychotherapeutenkammer NRW nachgewiesen werden können. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Systemische Therapie.
  • Wir haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Klinische Neuropsychologie als spezifischer Kompetenzbereich anerkannt und als ambulante Leistung in die gesetzliche Krankenversicherung integriert wurde.
  • Wir haben beharrlich eine Reform des Psychotherapeutengesetzes und der Psychothera­peutenausbildung gefordert, um unsere Kompetenzen zu verbreitern, beide Heilberufe zusammenzuführen und eine angemessene Vergütung für Psychotherapeuten in Ausbildung zu erreichen. Die Bundesregierung will diese Reformen laut Koalitionsvertrag verfolgen.
  • Wir haben eine gerechtere, einkommensabhängige Beitragsordnung für die Psycho­therapeutenkammer NRW entwickelt, die Nicht-Berufstätige, Geringverdiener und Neuapprobierte ab 2015 entlastet.

Die Kooperative Liste wird sich weiter mit aller Kraft für eine bessere psychotherapeutische Versorgung einsetzen. Auf ihrer Agenda für die Wahlperiode 2014 bis 2019 stehen dabei an vorderster Stelle folgende Ziele:

Erhalt und Ausbau psychotherapeutischer Praxissitze

Der Abbau von Psychotherapeutensitzen muss verhindert werden. In der Bedarfsplanung gelten die meisten Regionen statistisch als überversorgt, obwohl real Unterversorgung herrscht. Wir brauchen vielerorts mehr psychotherapeutische Behandlungsplätze und nicht weniger. Dabei muss insbesondere die Benachteiligung der Ruhrgebietsstädte beendet werden. In den Großstädten des Ruhrgebiets werden weiterhin nur sehr viel weniger Psychotherapeuten als notwendig erachtet als in allen anderen deutschen Großstädten. Dies kann nicht länger hingenommen werden.

Aufhebung der Befugniseinschränkungen

Die Befugniseinschränkungen nach § 73 Absatz 2 Satz 2 SGB V sind aufzuheben. Das Kompetenzprofil der Psychotherapeuten ist sozialrechtlich breiter zu verankern, so dass sie Arbeitsunfähigkeit bescheinigen, Überweisungen tätigen, ins Krankenhaus einweisen sowie Reha-Behandlungen und Heilmittel verordnen können.

Mehr Flexibilität in der ambulanten Versorgung

Im ambulanten Bereich müssen Diagnostik und Therapieangebote erheblich flexibler werden durch die Einführung von Sprechstunden, frühzeitige diagnostische Abklärung, Krisen- und Akutinterventionen, die Erleichterung themen- und krankheitsspezifischer Gruppentherapien ohne bürokratische Hürden, niederfrequente Langzeittherapien bei chronischen Erkrankungen und Rezidivprophylaxe sowie durch die Entschlackung des Antrags- und Gutachterverfahrens.

Honorargerechtigkeit

Für die psychotherapeutischen Leistungserbringer muss Honorargerechtigkeit hergestellt werden. Eine substantielle Erhöhung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen ist überfällig. Dazu bedarf es dringend einer Neubewertung im EBM. Die Honorare der Psycho­therapeuten müssen regelmäßig und gesetzlich vorgegeben an die Honorarsteigerungen der Ärzte angepasst werden.

Anerkennung und bessere Vergütung angestellter Psychotherapeuten

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit einer Anstellung in Krankenhäusern oder Reha-Einrichtungen müssen entsprechend ihrem berufsrechtlichen Status und ihrer Kompetenz anerkannt und eingesetzt werden. In der stationären Versorgung muss außerdem eine leitliniengerechte Versorgung mit stärkerer psychotherapeutischer Orientierung umgesetzt werden.

Es kann nicht dabei bleiben, dass nach Tarifvertrag das Gehalt eines Psychotherapeuten um 1.100 bis 1.800 Euro im Monat unter dem Einstiegsgehalt eines Facharztes liegt. Nach dem Berufseinstieg fehlt es an Aufstiegsmöglichkeiten in Leitungspositionen mit entsprechenden Gehaltssteigerungen. Es ist ein Unding, dass fast 60 Prozent der Psychotherapeuten in ihrem Arbeitsvertrag nicht unter ihrer Berufsbezeichnung „Psychotherapeutin“ bzw. „Psychotherapeut“ geführt werden und dass bei fast 75 Prozent die Approbation keinen Einfluss auf die Höhe der Vergütung hat. Die systematische Schlechterstellung besonders von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten muss beendet werden.

Sektorübergreifende Versorgung und Vernetzung

Notwendig ist eine bessere sektorübergreifende Versorgung von psychisch kranken Menschen, die Brüche in der Behandlung vermeidet. Die Vernetzung und Kooperation mit anderen Behandlern muss erleichtert und vergütet werden. Dies gilt auch und in besonderem Maße für den Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.

Die Gestaltung der Zukunft des Psychotherapeutenberufes

Mit einer Reform des Psychotherapeutengesetzes müssen die beiden Heilberufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten zusammengeführt und der Kompetenzbereich ausgebaut werden. Neben der Aufhebung der Befugniseinschränkungen gehört dazu vor allem eine gesetzlichen Definition von Psychotherapie, die es erlaubt, neue Verfahren und Methoden anwenden zu können.

Im Zusammenhang damit muss auch die Psychotherapeutenausbildung reformiert werden. Notwendig sind vor allem breite und klare Zugangsbedingungen zur Ausbildung, eine Approbationsordnung für das Studium als erstem Teil der Ausbildung, sowie Regelungen für einen angemessenen Status und eine angemessene Vergütung für die Praxisphase als zweitem Teil der Ausbildung.

Der Ausbau der Prävention durch Psychotherapeuten

Erfolgreiche Prävention muss berücksichtigen, dass psychische Erkrankungen zu den Volkskrankheiten des 21. Jahrhunderts gehören. Notwendig sind gesetzliche Regelungen, nach denen Prävention und Gesundheitsförderung gesamtgesellschaftlich finanziert und psychotherapeutische Interventionen als gezielte präventive Maßnahmen vorgesehen werden. Dabei sollten präventive Angebote unmittelbar in den Lebenswelten wie Familie, Kindertagesstätte, Schule, Betrieb, Verein oder Senioreneinrichtung verankert werden.

Die Kooperative Liste wird diese Ziele mit allem Nachdruck verfolgen.

Psychotherapie. Stärken! – Ihre Stimme für die Kooperative Liste!